Wie kann man Jugendliche fit für die Berufe der Zukunft machen?

2020-10-07T09:05:16+02:00

Gendersensible Vermittlungsmethoden für technologische Kompetenzen im Technischen Museum Wien

Wie kann man Jugendliche am besten auf die Arbeitswelt der Zukunft vorbereiten? Diese Frage wird nicht nur vor dem Hintergrund der Corona-Krise immer wichtiger. Mittlerweile herrscht Konsens darüber, dass der Umgang mit neuen Technologien, digitales Verständnis und kreative Problemlösungskompetenz dafür zentral sind. Als wichtiger außerschulischer Lernort möchte das Technische Museum Wien Begeisterung und Kompetenzen im technischen und naturwissenschaftlichen Bereich vermitteln, mit dem Ziel, junge Menschen zu ermutigen und zu ermächtigen, zukünftige Entwicklungen aktiv mitzugestalten.

Neben den klassischen Vermittlungsmethoden wie Führungen und Workshops setzt das Technische Museum Wien dazu seit 2018 auf die Prinzipien des pädagogischen Makings: Im techLAB, dem hauseigenen Maker*Space, können Jugendliche mit modernen Fertigungsgeräten, wie 3D-Drucker, Thermopresse, Lasercutter, Schneidplotter und vielem mehr, experimentieren und die entsprechenden Softwares dazu erlernen. Zentral dafür ist ein konkretes Projekt, das nach den eigenen Vorstellungen gestaltet wird, ob Schlüsselanhänger, Sticker oder Tragetasche. Neben dem technologischen Aspekt steht so die kreative Nutzung von Technik für die eigenen Zwecke im Vordergrund, was zu selbstgesteuertem Lernen und dem Erleben von Selbstwirksamkeit führt.

„Viel zu oft hört man Jugendliche sagen, Technik sei zu schwierig, zu trocken, zu fad, zu komplex oder einfach ‚nichts für sie‘, deswegen wollen wir zeigen, wie vielfältig und kreativ die Berufsfelder der Zukunft sind“, so Generaldirektor Peter Aufreiter. „Und da der Technik nach wie vor ein männliches Image anhaftet, sehe ich es als unsere Aufgabe, vor allem Mädchen* und jungen Frauen* für den MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) zu begeistern“.

Eine Analyse des IHS (Institut für Höhere Studien) zeigt beispielsweise, dass MINT-Studienfächer nur einen Frauenanteil von 34 % aufweisen, während in den anderen Studienrichtungen 61 % der Studierenden Frauen* sind. Der geringe Frauenanteil hat sich über die Jahre auch kaum verändert und liegt seit dem Studienjahr 2007/2008 konstant bei etwa einem Drittel. Die Gründe hierfür sind gut erforscht, aber komplex: Da der MINT-Bereich oft noch als „Männerdomäne“ wahrgenommen wird, fehlt es Mädchen* und jungen Frauen* oft an Informationen und Zugang zum Sektor. Ebenso trägt die immer noch geringere öffentliche Präsenz weiblicher Vorbilder wohl dazu bei, dass sich Mädchen* mit dem MINT-Bereich tendenziell weniger identifizieren und sie ihr Potential hier nicht angemessen auszuschöpfen vermögen.

Hier setzt das vom Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie geförderte Forschungsprojekt nextgen*LAB an: Seit 2018 entwickelt das Technische Museum Wien gemeinsam mit den Projektpartnern MOVES – Zentrum für Gender und Diversität und LEKTON – Grafik- und Softwareentwicklung verschiedene neue Vermittlungsformate, die einen niederschwelligen, unkomplizierten Zugang zu Technik ermöglichen und damit die beruflichen Handlungsfelder von Jugendlichen – und besonders Mädchen* – erweitern.

„Das Technische Museum Wien sieht sich in der Verantwortung, einen Beitrag zum Gleichgewicht der Geschlechter in Naturwissenschaften und Technik zu leisten und die Dekonstruktion von Stereotypen voranzutreiben. Eine gendersensible Vermittlungsdidaktik ist dafür maßgeblich“, so die Projektleiterin Elisabeth Limbeck. Um Gender-Stereotype nicht ungewollt zu reproduzieren bzw. eine Hierarchisierung der Geschlechter aufrecht zu erhalten, sollen dabei über den Gender-Dualismus hinaus Angebote geschaffen werden, die auf unterschiedliche Bedürfnisse, Anliegen und Interessen eingehen, seien sie auf Basis von Gender, Lerntyp, Persönlichkeitsstruktur, Wissensstand oder kulturellem Hintergrund. „Allerdings erproben wir auch monoedukative Formate, wo wir ganz gezielt den Fokus auf Mädchen* und junge Frauen* legen, um ein entspanntes Entdecken der eigenen technischen und digitalen Kompetenzen zu ermöglichen“, ergänzt Elisabeth Limbeck.

Wien (OTS)

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